Gottfried MAIR – „Bio-Mair, Eisenfuß, Staatspreisträger“; „Der Tausendsassa“ (laut Sohn Oliver)
Gottfried – ein Leben in Bewegung
Über Wirklichkeit und Vision
„Trotz meiner Fantasien und Visionen von einer besseren Welt habe ich den scharfen Blick auf die Wirklichkeit nie verloren. Flüchten? Nein, danke.“
Beruf und Wirken
Gottfried war AHS-Lehrer mit Leidenschaft – und weit darüber hinaus wirksam.
Als erster Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Tirol, als Lehrer im OECD-Team „Schule und Umweltinitiativen“ in Österreich sowie als Staatspreisträger für Energieforschung setzte er früh und konsequent Schwerpunkte in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umweltbildung und gesellschaftliche Verantwortung.
Schulprojekte waren für ihn keine Pflichtübungen, sondern gelebte Zukunftsarbeit. Er liebte es, junge Menschen zu begeistern, sie ernst zu nehmen und mit ihnen neue Wege zu denken. Internationales Engagement, insbesondere im Rahmen der OECD-Initiativen, war für ihn selbstverständlich – weil Lernen für ihn nie an Grenzen endete.
Lebensdaten und Stationen
- Geboren: 12. November 1951, 4:00 Uhr früh
- Schulbildung: Volksschule Imst, BRG Landeck
- Studium: Universität Innsbruck
- Musik: Klarinette, Saxophon
- Sport: Fußball – Verteidiger beim SC Imst („Eisenfuß“)
Früh engagierte er sich in der Umweltbewegung, insbesondere in der Region. Als einer der „Energiefreaks der ersten Stunde“ beschäftigte er sich mit Solarenergie, Photovoltaik, dem 3-Liter-Haus und nachhaltigem Bauen.
Er war Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Tirol, Leiter der LA-21-Leitstelle und Mitbegründer sowie langjähriger Gestalter des Vereins Ökozentrum.
Sein größtes Glück aber war privater Natur: vier Kinder, eine wunderbare Frau und eine große, vielseitige, innovative Großfamilie – seine Basis, seine Tankstelle.
Nach meinem Tod – ein Wunsch
Ein Abschied soll ein Tag des Lebens sein:
- Abschiedsfeier mit Rückblicken anhand von Videos, Texten und Fotos
- Begräbnis mit guter Musik
- als Geschenk: bunte Gießkannen für die Begleitpersonen – mit der Bitte, ab und zu auf den Friedhof zu kommen und die Blumen zu gießen
- Danach ein Fest: gute Atmosphäre, gute Gespräche, Kulinarik, Musik – mit Florian und allen, denen noch etwas Schönes einfällt
Der Sarg: bunt bemalt, nicht verschlossen und ich eingebettet in vielen verschiedenen Kräutern.
Frei denken – offen glauben
(Selbstzeugnisse)
Mein Schaffen begann früh. Es trug viele Früchte und hatte unterschiedliche Dimensionen. Es gab Wege und Wandlungen, doch ein roter Faden war immer sichtbar. Trotz Fantasie und Visionen von einer besseren Welt habe ich den scharfen Blick auf die Wirklichkeit nie verloren. Flüchten? Nein, danke.
Ich danke den vielen Lebensbegleiter:innen, die meine Lehrer waren – durch Nähe, durch Widerspruch, durch Spiegelung. Sie haben mich zur Reflexion gebracht und mitverantwortet, dass ich mich weiterentwickeln durfte und das Leben mit hoher Energie authentisch lebte.
Imst – meine Heimat
Imst wurde mir Heimat – nicht wie ein Baum, der fest verwurzelt an einem Ort steht. Dafür war mir die Kleinkariertheit manchmal zu eng. Und doch: Die Erlebnisse hier waren schön, merkwürdig, intensiv.
Das Größte geschah mit 17: Ich begegnete einem funkelnden Kristall – Monika. Ausdrucksstarke Augen, die ich nie vergaß. Und ja, auch ihr Minirock.
Sie hat mir viel beigebracht: Verbindlichkeit, Zusammenhalt, Brückenbauen, gute Sexualität – und das Leben in Beziehung.
Über Moden, Visionen und Haltung
Ich habe gelernt, mich nicht oberflächlichen Moden zu verschreiben. Mich interessierten die Motive neuer Bewegungen – und danach die Frage: Was davon lässt sich politisch und kulturell konkret umsetzen?
Es braucht Diskussionen auf Augenhöhe mit der politischen Klasse – konzentriert, argumentativ stark, beharrlich.
Der innere Motor
Mit 17 brannte in mir eine große Sehnsucht: nach starken Gefühlen, Liebe, Abenteuer, friedlicher gesellschaftlicher Evolution.
Eine Wut auf das abgestumpfte, normierte Leben – und die Lust, der bürgerlichen Ordnung auch einmal klar die Meinung zu sagen.
Motto:
„Man muss was bewegen – sonst bewegt sich nichts.“
Zwischen Kleinkariertheit und globalen Visionen auszuhalten, ist schwer. Um zu bestehen, braucht es manchmal eine zweite Welt – einen inneren Rückzugsraum, in dem man reflektieren, Kraft sammeln und Haltung bewahren kann.
Gottfried – aus der Sicht anderer
Gottfried war ein unruhiger Geist, stets auf der Suche nach Neuem, kritisch gegenüber Althergebrachtem. Ein begnadeter Lehrer und Didakt mit vielseitiger Begabung.
Er fühlte sich besonders im Kreis der Großfamilie und unter jungen Menschen wohl. Jugendliche konnte er immer wieder begeistern.
Er glaubte an die junge Generation – und daran, dass echte Veränderungen nur durch Paradigmenwechsel möglich sind. Sein ansteckender Optimismus half ihm, Widerstände auszuhalten, auch wenn er seiner Zeit oft weit voraus war.
Seine ökologische Grundhaltung – der Mensch ist Teil der Natur, nicht ihr Beherrscher – zeigte sich in all seinen Rollen: als Lehrer, Nachhaltigkeitskoordinator, Kämpfer für erneuerbare Energien und als Obmann des Ökozentrums.
Haltungen und Mottos
- „Lachen bringt Erleichterung“
- „Kontrollverlust löst Spannungen“
- „Mut tut gut“
- „In der Natur gibt es keinen Sieg und keine Niederlage – nur Bewegung“
Der Mensch ist ein Tänzer auf zwei Beinen:
Standbein – Disziplin, Anpassung, Frustrationstoleranz
Spielbein – Kindlichkeit, Leichtsinn, Spieltrieb
Nur mit beiden bleibt das Gleichgewicht erhalten.
Global sehe ich nicht den Klimaschutz als erstes Problem, sondern die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm, Jugendarbeitslosigkeit, Lebensmittelkrisen und das Ausufern des Kapitalismus. Dann kommt der Klimawandel.
(2014)
Mitgefühl ist der wichtigste Baustein der Menschlichkeit – und er fehlt uns zunehmend.
Ein buddhistischer Satz wird mir immer klarer:
Auf die eigenen Bedürfnisse zu achten verursacht Leid. Andere wertzuschätzen bringt Glück.
Dem stimme ich zu.
(2020 – überarbeitet 2026)
Über Balance im Leben
„Der Mensch ist ein Tänzer auf zwei Beinen:
dem Standbein der Disziplin und dem Spielbein der Leichtigkeit.
Nur mit beiden bleibt das Gleichgewicht erhalten.“
Über Gesellschaft
„Global sehe ich nicht den Klimawandel als erstes Problem,
sondern die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm,
Jugendarbeitslosigkeit und das Ausufern des Kapitalismus.“
(2019)
70 Jahre und auch eine lässige Geburtstagsfeier – und eine überraschende Präsentation
Die Überraschung zum Geburtstagsfest — die 70er Labera
OLIVER UND FABIENNE zeigen etwas Eigenständiges, etwas Kreatives, etwas Wunderbares
27.8.2021
Oliver:
Ich muss Euch sagen, liebe Leit
Es gibt an Grund zum Feiern heit.
Gesetzt, seriös und schon etwas grau,
sitzt unser Papa Gottfried hier mit seiner Frau.
Du brauchst dich nicht zu erschrecken,
wir werden dich nur a bisl necken.
Aber um dir zu helfen,
sind wir deine blonden Elfen.
(Anziehen der Perücke)
Fabienne:
Er wirkt so weise, er ruht so völlig in sich,
doch da gibt`s Geschichten, die glaubt man fast nicht.
Schon 70zig Jahr isch es her,
da erschüttert in Zams a Riesengeplärr.
Voller Stolz erklärten Hubert und Theresia,
„Tirol, jetzt gib Acht, der Gottfried ist da!“
Sofort waren vergessen Geburt und Schmerz,
sie liebten den Buben aus ihrem tiefsten Herz.
Mama
Oliver:
So ging er durchs Leben und das ist kein Witz,
eines Tages, da traf ihn auf einmal der Blitz.
Er sah in 2 Augen und auch durch den Minirock etwas verwirrt.
Denkt er sich, In was bin ich denn da hineingeirrt?
Um zu sehen immer diese tolle Maid,
Ist er im Schwimmbad eingstiegen, voller Fraid!
Der Bua sitz in der vollen Klamotten-Pracht,
obwohl die Sunne hoass vom Himmel ober lacht.
Mit seinem Pulli und der Jean,
hat er sich dabei gfühlt wia der Imster James Dean!
Da schreibt er ihr schon a Brieferl Tagln spater
-„ Hier noch nicht Vater!
Ein aggressiver Mensch, Hoffe auf Erleuchtung“
Wenn des passiert in der heitigen Zeit,
des hat mi als Vater gar nit gfreit!!!
Fabienne:
Wie ein Wirbelsturm rauschte Monika in sein Leben,
und hat ihm damit noch mehr Sinn gegeben.
Die Liebe hat beide völlig erwischt,
eine Liebe, die mit Sicherheit niemals erlischt.
Vier Kinder und die sind alle gelungen,
sind dieser Liebe in den Jahren entsprungen.
2 Buben und 2 Mädls sind dank euch auf der Welt,
4 Kinder, die wissen, ihr seid nicht zu bezahlen mit Geld.
Neben Ehe und Kindern war immer noch Zeit,
und Gottfried war für jede Schandtat bereit.
Als Eisenfuß war er im Fußball weit bekannt,
und musikalisch mit Sax und Klarinette in der Hand.
Die Umwelt, um die war er immer bemüht,
Teewasser wird mit Solarstrom gebrüht.
Ein Ökofreak, schon seit der frühesten Stunde
Macht er mit Projekten gern die Runde.
Er ist Tiroler, mit Herz und Blut,
aber er weiß auch Abwechslung tut immer gut.
So gibt´s eine Gschicht von Kroatiens Inseln
Wo er hat vor Angst fast müssen winseln.
Oliver:
Er konnt`s nicht erwarten, dass Meer war schon da,
die Kleider vom Leib und schon war`s FKK.
sprang ins Wasser und genoss dort die Wogen,
dass er leicht rauskam, das wäre ja gelogen.
das Ufer, das war dort schon recht belebt,
von Seeigeln – der Gottfried hat vor Angst gebebt.
nach einem Lachkrampf wurde er gerettet
Und zur Sicherheit auf die Luftmatraze gebettet.
Ausflüge, die brachten seine Seele immer ins Reine
Und eine zweite Leidenschaft sind gute Weine.
Das lässt sich natürlich auch leicht verbinden,
muss nur einen tollen Bio-Weinhändler finden.
Mit dem VW-Käfer macht er sich auf die Reise,
und kaufte den besten Bio-Wein gleich kistenweise.
Zu Hause, da gab`s dann eine Studentenparty,
denn so einen guten Wein, den findest ja fast nie.
Nach Stunden der Verkostung und der Fachexpertise,
da kriegte der Gottfried fast die Krise.
Die Zungen, die Zähne und auch die Lippen,
waren blitzblau vom stundenlangen Nippen.
Gipsmaske
Fabienne:
Schon als junger Mann, wollte er wie die berühmten Menschen sein –
zumindest halt verewigt in Stein!
Sokrates, Zeus das waren seine Tipps,
einfacher ist halt a Maske nur aus Gips!
Unter`m Deckmantel einer Schönheitskorrektur,
wurde das aber zur reinen Tortur.
Der Gips Zentimeter dick auf`s Gsicht gspachtelt,
fongt er schun mit seine Handln z` wochtln.
2 Strohhalmln in die Nosn zum schnaufn,
und fertig war der Gips-Haufn!
Ausgschaut hat er ja wie der Zeus – DER ist Klasse,
nach erstarren dieser weißen Masse!
Oliver:
„I glab I wär bald platze!”
Wie kimm I denn wieder zu meiner Mair – Fratze?“
Ja mit pusten und blasen , ziehen und drücken,
wird sich der Gips erst verdrücken!
Mit Müh und Not und Stunden später,
war er ihn los den Übeltäter!
Zur Begutachtung das gute Stück,
hält er es etwas weiter zurück!
D´Augenbraue, Nosehor und Bart sei da a gosse!
„schaut ja aus, als hat I a Larvle mochn losse!
Ausgschaut wia a grupfts Huhn,
war er aber stolz, wie ein Volkstribun!
WIR erzählen euch keinen Scheiß,
und drum zeigen wir euch den Beweis!
Boot
Fabienne:
Der Gottfried, der wollt wie Jesus übers Wasser gehn,
drum ist er geworden ein Hausboot-Kapitän.
Das ist schon toll, am Wasser zu Haus,
natürlich ziehts ihn dort immer wieder raus.
Man muss doch mobil sein und vom Boot sich bewegen,
da sollte man sich ja einen Scooter zulegen.
Ich kann euch sagen, das war ein Problem.
Zu groß, zu klein, zu alt und nicht schön.
Nach vielen Versuchen, hat er`s geschafft
Und sich den besten Scooter kafft.
Braucht ihr mal Hilfe, um einen zu kaufn,
dann braucht`s lei zum Gottfried laufn.
Bauer
Oliver:
Eigentlich wollt der Papa und der Luis werden ja Bauer,
aber die 2 Madln waren bei der Idee ziemlich sauer.
Und so halt ohne Henne, Kuha und Schwein,
konnt er halt lei mehr a Bio-Lehrer sein.
Im trauten Heim, wollt er dann aber decht ab bisl Bauer sein.
Drum hat er pflanzt an Haufen Gmias,
dass er leben kann wia der Almen-Hias.
Produziert wurde im Accord,
und alles verarbeitet gleich und sofort.
Um einzufahren die ganze Ernte,
hat er gmacht die Kinder-Pagasch
zum Arbeiten auf der Kamillen-Plantage!
Urlaub
Fabienne:
Urlaub – Sommerferien, hoch die Tassn,
Jetzt werdn ma die Seele baumeln lassn.
Italien isch das erklärte Reiseziel,
beim einpacken – Ach du Schreck – da isch ja oner im Auto z`viel!
Um die Sache schnell zu lösen,
muass der Kloanste holt auf der Huatablage oben dösen!
Losgefahren mitten in der dunklen Nacht,
um zu verheimlichen diese überladene Menschen-fracht!
So rollten wir über den Brenner,
wie schwer gesuchte Hinter-männer.
Oliver:
wir Kinder hinten im Auto pennen,
fängt sich der Auspuff an vom Auto zu trennen!
Schleifgeräusche und Funkenflug,
machen des Auto lei mehr zum Bummel-Zug!
Mit aller letzter Kraft und dem letzten Dieselsaft
hamas in die Werkstatt gschaft.
Mit Händ und Fiass,
Pizza, Aqua und Amore,
hobens deitet dem Auto-doktore!
SI, SI, SI sagt der arme Heiter,
will eigentlich ja lei schlafen weiter!
Verstanden hat er nix,
aber gmacht war´s donn recht fix!
Schluss
Wir danken dir dafür, dass es dich gibt,
dass du ein Vater bist, der uns so liebt.
Dass du uns zeigst, was wichtig ist im Leben,
wollen`s dir auch gerne zurückgeben.
Feiere recht schön hier mit uns Lieben
Und jetzt hoch die Gläser auf deine sieben!
70 Jahre – 70 Gründe
Andy:
„Da sitzt du nun
mit deiner blonden Mähne.
Und wenn wir dich so ansehn,
fallen uns immer wieder dieselben Dinge ein.
Wir hab keine Wahl,
wir müssen dir alles sagen:“
Alle:
Nr. 10: Erstmal wollen wir dir danken
Nr. 20: Wir wollen dich begleiten
Nr. 30: wir schätzen deine tollen Gedanken
Nr. 40: du schaust immer weit voraus
Nr. 50: du bleibst immer bei Sinnen
Nr. 60: wir wollen Zeit mit dir verbringen
Und der größte Grund, das ist Nummer 70 (Nummer 70)
Denn heute Nacht, feiern wir zusammen in diesm Haus.
70 Jahre bist du bald alt,
70 Jahre und noch viel mehr, denn du bist der Gottfried, der den Stress nie mied
Das halten wir nicht aus, drum sag ich zu dir
70 Jahre heute Nacht,
70 Gründe für uns gemacht
Wir wollen mit dir feiern, will alles erleben
Denn Gründe der Liebe hat der Himmel uns gebracht
Der Mair, der Mair, der Mair is on fire….
Nochmals 2.Refrain Alle:
